Leseprobe

1    Einleitung

1.1  Warum D-Manga? – Einführung in die Problemstellung

Der erste ›D-Manga‹, d. h. ein Comic aus deutscher Feder im japanischen Zeichen- und Erzählstil, erschien vor rund 12 Jahren. Seitdem versuchen hierzulande immer mehr Comic- und Manga-Fans, sich als professionelle Manga-Zeichner[1] zu etablieren. Woran liegt es, dass – obwohl der amerikanische und der franko-belgische Comic in Deutschland schon viel länger rezipiert werden – ausgerechnet der Manga-Stil so viele Liebhaber und Nachahmer gefunden hat? Möglicherweise ist es die sich im Manga widerspiegelnde exoti­sche Fremdartigkeit der japanischen Kultur, welche das Adaptieren dieses Comic-Stils so reizvoll erscheinen lässt. Darüber hinaus dürfte auch der anhaltende kommerzielle Erfolg des japanischen Comics im In- und Ausland bei der Entscheidung, den Manga-Stil zu adaptieren, eine wichtige Rolle spielen.

Seit dem Beginn der kontinuierlichen Veröffentlichung japanischer Comics in deutscher Sprache vor rund zwanzig Jahren hat sich der Manga zu einer festen Größe auf dem einheimi­schen Comic-Markt entwickelt. Trotz stagnierender Verkaufszahlen und einiger eingestellter Serien wird der meiste Umsatz immer noch mit Manga-Publikationen erzielt. Mit einem Marktanteil von ca. 70 Prozent und einer stetig wachsenden Fan-Gemeinde bilden Manga das wichtigste Standbein deutscher Comic-Verlage.[2] Somit ist es vor allem dem Manga-Segment zu verdanken, dass der deutsche Comic-Markt entgegen allgemein rückläufiger Umsätze auf dem hiesigen Buchmarkt derzeit einen kleinen Boom erlebt.[3] Jedoch handelt es sich bei den Manga-Publikationen zu ca. 80 Prozent um japanische Lizenz­titel.[4]

Diese ohnehin als problematisch zu betrachtende Abhängigkeit deutscher Comic-Verlage vom Lizenzeinkauf könnte sich in Hinblick auf den Manga als verhängnisvoll erweisen. Diese Prognose betrifft sowohl den Digital- als auch den Printmarkt. Denn zum einen star­tete im August 2011 die große, zentrale Manga-Plattform JManga.com, welche von der 39 japanische Verlage umfassenden ›Digital Comic Association‹ aus Japan unterhalten wird und seit Anfang 2012 auch aus Deutschland erreichbar ist.[5] Es ist zu vermuten, dass langfris­tig der weltweite E-Vertrieb japanischer Comics über JManga kontrolliert werden soll. Schon heute werden auf jener Seite viele Titel in englischer Übersetzung angeboten. Weitere Sprachfassungen sollen folgen. Wenn es den Japanern gelingt, JManga als zentrale Vertriebsplattform für E-Manga zu etablieren, dann dürften künftig nur noch wenige Über­setzungslizenzen ins Ausland vergeben werden.

Zum anderen dringt – ebenfalls seit 2011 – die japanische Verlagsgruppe SHUEISHA / SHOGAKUKAN über das in der Schweiz ansässige Imprint KAZÉ nun auch ganz direkt auf den deutschsprachigen Manga-Printmarkt vor.[6] Als Herausgeber des unter Manga-Fans namhaften ›Weekly Shonen Jump‹ Magazins und Rechteinhaber vieler Erfolgstitel, wie z. B. ›One Piece‹ und ›Naruto‹, welche regelmäßig die deutschen Manga-Bestsellerlisten anfüh­ren[7], wird SHUEISHA / SHOGAKUKAN über KAZÉ wohl zukünftige Lizenztitel selbst verwalten wollen.

Sollte insofern in naher Zukunft der oben beschriebene Fall eintreten und die Lizenzen japanischer Manga-Bestseller für deutsche Verlage nicht mehr verfügbar sein, müssen die bisherigen deutschen Lizenznehmer mit erheblichen Umsatzeinbußen rechnen. Um diese auszugleichen, bestehen die folgenden Möglichkeiten: es könnte entweder auf andere erfolg­reiche Lizenz-Titel zurückgegriffen oder die einheimische Comic- bzw. Manga-Produk­tion gefördert werden. Da sich derzeit mit keiner anderen Comic-Form als der japa­nischen ein so hoher und stabiler Absatz erzielen lässt, scheint es naheliegend, in die Umset­zung weiterer D-Manga-Projekte zu investieren.[8]

Der vergleichsweise geringe kommerzielle Erfolg bisheriger deutscher Manga-Eigenproduk­tionen im In- und Ausland deutet jedoch darauf hin, dass alleine die formale, stilistische und thematische Annäherung an die erfolgreichen Manga-Lizenztitel nicht ausreicht, um mit den in schnellem Turnus erscheinenden, technisch und inhaltlich ausgereiften Best­sellern aus Japan zu konkurrieren. Inwieweit lassen sich also mittels der Adaption des Manga(-Stils) von deutschen Comic- bzw. Manga-Verlagen noch größere Markterfolge sowie eine stärkere Unabhängigkeit vom Lizenzeinkauf erreichen?

1.2  Forschungsstand

Die wissenschaftliche Literatur, in der Manga deutscher Autoren thematisiert werden, be­schränkt sich bis zum heutigen Tage auf wenige Aufsätze aus dem Bereich der deutschen und internationalen Comicforschung. Allerdings konzentrieren sich nur wenige dieser Publi­ka­tionen auf das Phänomen ›D-Manga‹.

Bernd Dolle-Weinkauff, Autor des Standardwerkes ›Comics. Geschichte einer populä­ren Literaturform in Deutschland seit 1945‹, legt insgesamt zwei Aufsätze vor, in denen er das Phänomen ›D-Manga‹ aufgreift. Der erste Aufsatz erscheint 2008 unter der Überschrift ›Fandom, Fanart, Fanzine – Rezeption in Deutschland‹. Dolle-Weinkauff untersucht hier die spezifischen Umstände und qualitativen Verhältnisse der Manga- und Anime-Rezep­tion, wie etwa den Einfluss der japanischen Comics auf unterschiedliche Altersgrup­pen und Geschlechter, die Leserpräferenzen und deren Gründen sowie bestimmte Formen der Aneignung fremdkultureller Stoffe und Themen.[9] In diesem Zusammenhang wird auch ein Bezug zu deutschen Manga-Eigenproduktionen hergestellt. Diese werden jedoch nicht näher analysiert, sondern nur als Beispiel für ›kreative Aneignung‹ herangezogen.

In seinem 2010 erschienen Aufsatz zum Thema ›Comics und kulturelle Globalisierung‹ führt Dolle-Weinkauff den D-Manga als Beispiel für interkulturelle Kommunikation bzw. kulturelle Adaption an.[10] Dabei weist er auf die zunehmende Eigenständigkeit deut­scher Manga hin, ohne jedoch einzelne Werke einer genaueren Analyse zu unterziehen. Zudem geht er nur auf die kulturelle Bedeutung des angeblichen Paradigmenwechsels, nicht aber auf eventuelle Auswirkungen dieser Entwicklung auf den Absatz deutscher Manga ein.

Der Aufsatz ›Manga – Comics aus einer anderen Welt?‹ von Jens R. Nielsen aus dem Jahre 2009 enthält eine aufschlussreiche Analyse der Unterschiede zwischen japanischen und westlichen Comics in Hinblick auf die Rahmen- und Produktionsbedingungen sowie Erzähl- und Darstellungskonventionen.[11] Dabei erläutert der Autor u. a. die Problematik der deutschen Manga-(Eigen)Produktion.

Der US-amerikanische Comic-Forscher Paul M. Malone befasst sich in insgesamt drei Aufsätzen mit dem Phänomen ›D-Manga‹. Sowohl in ›Mangascape Germany: Comics as Intercultural Neutral Ground‹[12] aus dem Jahre 2010 als auch in der Fortsetzung ›Shifting Ground and Shifting Borders in the German-Speaking Mangascape‹[13] aus dem Jahre 2011 gibt Malone einen Überblick über die Hintergründe für den Erfolg des Manga in Deutsch­land sowie die Geschichte und den Wandlungsprozess deutscher Manga-Eigenpro­duk­tionen. Darüber hinaus geht er auf aktuelle Markttendenzen ein.

In ›From BRAVO to Animexx.de to Export‹ beleuchtet Malone 2010 die Hintergründe für die Überzahl junger weiblicher Manga-Fans in Deutschland.[14] Zudem liefert der Autor einen erkenntnisreichen Überblick über die Strukturen und Zusammenhänge innerhalb der aktuellen deutschen Manga-Szene. Dies betrifft vor allem die Funktion von Animexx.de nicht nur als zentrale Kreativ- und Kommunikationsplattform deutschsprachiger Manga-Fans, sondern auch als Trendbarometer und zentrale Anlaufstelle der Verlage bei der Suche nach neuen Talenten.

Patricia Minks legt 2011 einen umfangreichen und detaillierten Aufsatz zum Thema ›Mangamarkt – Ein Vergleich zwischen Japan und dem deutschsprachigen Raum‹ vor, in dem sie u. a. auf die Bedeutung von Eigenproduktionen für das ökonomische, soziale und kulturelle Kapital deutscher Manga-Verlage eingeht.[15] Ein Unterkapitel ist dabei der Vorgehens­weise und den verschiedenen Motiven der Verlage bei der Akquise einheimischer Autoren gewidmet.

Eva Mertens veröffentlicht im August 2012 ein zweibändiges Werk zur deutschen Manga- und Anime-Szene.[16] Mit ihrer Arbeit möchte die Soziologin dem interessierten Leser einen umfassenden Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand der Szene geben. Zwar werden viele Aspekte der deutschen Manga-Kultur nur angerissen, beide Bände ent­halten aber zahlreiche aktuelle Daten und Fakten, welche in so konzentrierter Weise bisher noch nicht zusammengetragen wurden.

In ihrem Überblickswerk ›Manga‹ aus dem Jahre 2010 versorgt Miriam Brunner den Laien mit den wichtigsten und interessantesten Informationen rund um die japanische Form des Comics.[17] Aufgrund der großen Stoffmenge in Kombination mit dem Überblicks­anspruch der Abhandlung bleibt es nicht aus, dass auf einige Themen nur sehr verkürzt eingegangen wird. Dies betrifft auch den deutschen Manga-Markt und Manga deutscher Autoren.

Zusätzlich finden sich einige forschungsrelevante Artikel in den Fachperiodika ComiXene, Comic! Jahrbuch und Comic Report. Hier ist vor allem der seit 2011 erscheinende Comic Report hervorzuheben, welcher zahlreiche Berichte und Analysen zum aktuellen deutsch­sprachigen Comic-Markt enthält.

1.3  Material und Methoden

Der Forschungsgegenstand D-Manga hat sich im Laufe des Arbeitsprozesses als außer­ordentlich vielschichtig erwiesen. Durch seine Eigenschaft als deutsche Comic-Produktion, mediales Kulturprodukt und Ergebnis interkultureller Medienadaption besitzt das Phäno­men D-Manga einen äußerst komplexen Charakter. Die Untersuchung des Gegenstandes erfordert daher die Integration verschiedener Wissenschaftsdisziplinen. Geleitet werden die Untersuchungen von der Frage, inwieweit sich mittels der Adaption des Manga(-Stils) von deutschen Comic- und Manga-Verlagen noch größere Markterfolge sowie eine stärkere Unabhängigkeit vom Lizenzeinkauf erzielen lassen. Somit werden alle Untersuchungen, die im Rahmen der Magisterarbeit vorgenommen werden, vorrangig aus der Perspektive des Comic- bzw. Manga-Marketing durchgeführt. Ziel der Arbeit ist es, einen Beitrag zur Erfor­schung des Phänomens D-Manga sowie zur Bestimmung des ökonomischen Poten­zials der D-Manga zu leisten und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das vorhandene Potenzial des D-Manga und seiner Schöpfer noch optimaler genutzt werden kann.

Zunächst wird durch einen historischen Abriss mit Fokus auf die Ursachen der problemati­schen Stellung von Comics und Comic-Zeichnern in Deutschland in die Fremd­bestimmtheits- und Adaptionsproblematik eingeführt. Die Darstellung erfolgt größtenteils auf Grundlage der umfassenden Abhandlung Andreas C. Knigges zur Entwicklung der deutschen Comic-Kultur[18] aus dem Jahre 1986 und dem Standardwerk zur deutschen Comic-Geschichte bzw. der Entwicklung des Marktes[19] von Bernd Dolle-Weinkauff aus dem Jahre 1990.

Der nächste Schritt besteht in einer Darlegung der Faktoren, welche zum deutschen Manga-Boom bzw. zum Erfolg und der anhaltenden Beliebtheit des Manga geführt haben. In Hinblick auf die Marktsituation und die äußeren Faktoren wird Bezug genommen auf die bereits erwähnte Forschungsliteratur zum Thema D-Manga. Erkenntnisse zum Einfluss der Medienberichterstattung liefert die Arbeit von Lea Treese zum Thema ›Go East! Zum Boom japanischer Mangas und Animes in Deutschland‹ aus dem Jahre 2006.[20] Da Treese in ihrer Abhandlung nur oberflächlich auf die für den Manga-Boom mitverantwortlichen Marketing-Strategien eingeht, wird zu diesem Thema außerdem Bezug genommen auf die Diplomarbeit von Sabine Rudert ›Das Comic mit der Spezialisierung Manga in Deutsch­land im Vergleich mit den japanischen Vorbildern‹[21] aus dem Jahre 2004. Für den Bereich der Multiplikatoren wird Petra Haverkempers Arbeit zu ›Manga in deutschen Bibliothe­ken‹ aus dem Jahre 2006 herangezogen.[22] Die Erläuterungen zu den absatzfördernden Eigen­schaften des Kulturproduktes ›Manga‹ stützen sich auf zahlreiche Werke, von denen hier nur die ertragreichsten genannt werden sollen: Ein neues Standardwerk in Hinblick auf die Darstellungsmittel und Wirkungsweisen des Manga hat Miriam Brunner mit ihrer 2009 veröffentlichten Dissertation ›Manga – Faszination der Bilder‹ vorgelegt.[23] In Hinblick auf die Bedeutung einzelner Genres, Themen und Zielgruppen für die anhaltende Popularität des Manga wird zudem auf den 2011 von Bernd Dolle-Weinkauff veröffent­lichte Aufsatz ›Manga und ihr Einfluss auf junge Leser in Deutschland‹ Bezug genom­men.[24]

Im Anschluss daran werden die Faktoren untersucht, welche sich auf den Absatz deutscher Manga-Eigenproduktionen auswirken. Zuerst werden die aktuellen Marktbedingungen in Deutschland beleuchtet. Dies geschieht anhand aktueller Daten und Fakten, welche den einschlägigen Fachperiodika und Internetseiten entnommen sind. Anschließend wird auf die Problematik der deutschen Manga-Produktion eingegangen.

Die Analyse der äußeren Faktoren wird ergänzt durch eine Betrachtung der aktuellen Aus­bildungssituation und der Arbeitsbedingungen deutscher Manga-Zeichner. Die Darstellung bezieht sich auf Selbstauskünfte deutscher Zeichner, Informationen auf Animexx.de bzw. Angaben in den einschlägigen Internetforen und Blogs sowie auf Verlagsseiten. Besonderes Augenmerk gilt der Zusammenarbeit des Autors mit dem Verlag. Da diese eine starken Einfluss auf die quantitative Leistungsfähigkeit der Autoren und die finale Qualität einer Manga-Eigenproduktion hat. Aufgrund der unzureichenden Quellenlage wurden Experten­in­terviews mit Verlagsmitarbeitern drei großer und eines kleinen deutschen Manga-Verlages durchgeführt (vgl. Abschnitt ›Experteninterviews‹ in diesem Kapitel). Die Zusammenfassung der Ergebnisse erfolgt in Form einer Gegenüberstellung der Vorgehens­weise deutscher und japanischer Verlage bei der Betreuung von Manga-Autoren.

Die anschließende Analyse des D-Manga wird mit der Erläuterung möglicher Formen, Kon­zepte und Ebenen der Adaption eingeleitet. In diesem Zusammenhang wird auch noch einmal den Ursachen für die gegensätzliche Entwicklung Deutschlands und Japans in Hin­blick auf den Comic nachgegangen. Um festzustellen, auf welche Art und in welchem Aus­maß deutsche Autoren den japanischen Comic adaptieren bzw., inwieweit sich Manga und D-Manga voneinander unterscheiden, wird dann auf der Grundlage einer Untersuchung derzeit lieferbarer D-Manga-Titel erfolgen (vgl. Abschnitt ›Adaptions­analyse‹ in diesem Kapitel). Mithilfe der Ergebnisse der vorgenommenen Inhaltsanalyse ausgewählter populä­rer D-Manga werden abschließend mögliche Entwicklungstendenzen und Gestaltungs­strategien deutscher Manga-Eigenproduktionen erörtert.

Experteninterviews

Bei den Experteninterviews wurden insgesamt 17 Fragen zum Verlagsprogramm und zur Autorenbetreuung gestellt. Zum einen sollten mithilfe der Fragen das Verhältnis von Lizenz­titeln japanischen Ursprungs zu D-Manga-Titeln und Pläne zur Erweiterung des D-Manga-Angebots ermittelt werden. Zum anderen sollten auch die Anforderungen an D-Mangaka und deren Manga-Redakteure sowie die Vorgehensweise bei der Zusammenarbeit mit einem deutschen Manga-Autor eruiert werden.

Durchgeführt wurden die Experteninterviews per E-Mail in Fragebogenform. Sowohl auf Wusch eines befragten Mitarbeiters als auch aus methodischen Gründen wurden die Ant­worten nur in anonymisierter Form wiedergegeben. Dies betrifft auch die im Anhang befind­lichen Fragebögen. So wird mithilfe der Anonymisierung verdeutlicht, dass die vier befragten Personen nicht als Individuen, sondern als Funktionsträger interviewt wurden. Die Fragebögen samt Transkriptions- und Anonymisierungsregeln können im Anhang einge­sehen werden (vgl. Experteninterviews).

Adaptionsanalyse

Es handelt sich hierbei um eine an die Inhaltsanalyse angelehnte Methode. Eine ausführ­liche Beschreibung der Vorgehensweise bei der Adaptionsanalyse kann im Anhang einge­sehen werden (vgl. Codebuch).

Es wäre interessant zu erfahren, inwiefern sich die der kulturelle Hintergrund deutscher Manga-Autoren auch in der Psychologie der Charaktere und den Figurenkonstellationen widerspiegelt. Da hierfür jedoch neben einer Inhaltsanalyse der D-Manga-Titel in Hinblick auf die Adaption der in Deutschland typischen medien- und kulturspezifischen visuellen Kommunikationsmuster des japanischen Comics auch eine Erzähltextanalyse und -interpreta­tion bzw. eine Comicanalyse der ausgewählten Titel nach dem Modell von Martin R. Herbers notwendig wäre,[25] kann diese Frage im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht beantwortet werden.

Bezeichnung des Phänomens

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird der Begriff ›D-Manga‹ als Bezeichnung für die deutsche Adaption des japanischen Comics gewählt. Somit wird bewusst auf die Verwen­dung des immer häufiger auftretenden Begriffes ›Germanga‹ verzichtet. Dies geschieht in Hinblick auf das Ziel dieser Arbeit, einen Beitrag zur Entwicklung einer Marketing-Strategie zu leisten, mit deren Hilfe der kommerzielle Erfolg deutscher Manga-Eigenproduk­tionen am nationalen und internationalen Comic-Markt gesteigert werden kann.

So ist zu bedenken, dass der Klang von ›Germanga‹ besonders im englischen Sprachraum als eine Verbindung des Wortes ›germ‹ (engl. für Krankheitserreger) und des Begriffes ›Manga‹ wahrgenommen werden kann. Unter Berücksichtigung des sprachlichen Aspektes der Konnotation von Markennamen ist es also fraglich, ob sich die Bezeichnung ›Germanga‹ für die internationale Vermarktung deutscher Manga eignet. Zudem besteht keine Notwendigkeit den Markennamen[26] eines deutschen Kulturproduktes aus zwei fremd­sprachigen Worten, nämlich ›Germany‹ und ›Manga‹, zusammenzusetzen. Durch das ›D‹ als internationalem Kennzeichen für Deutschland dürfte nicht nur eine eindeutigere Identifikation der kulturellen Herkunft gegeben sein. Durch ›D-Manga‹ entsteht auch eine Analogie zu ›JManga‹ (vgl. Kapitel 1.1), welche sich möglicherweise positiv auf die Rezeptions­bereitschaft potenzieller Konsumenten auswirkt.

Schreibweise japanischer Begriffe und Namen

Wie bei vielen Lehnworten finden sich auch in Bezug auf den Begriff ›Manga‹ in der deutschen Sprache verschiedene Schreibweisen. Dabei herrscht weder Einigkeit über das Genus des Substantives ›Manga‹ noch über dessen Plural- und Genitivform. So wird ›Manga‹ sowohl als Neutrum als auch als Maskulinum und sowohl mit Plural-s und Genitiv-s als auch ohne aufgeführt.[27] Sofern die zitierte Literatur nicht einer anderen Form den Vorzug gibt, werden in der vorliegenden Arbeit folgende Schreibweisen verwendet: der Manga (Nominativ); des Manga (Genitiv); die Manga (Plural). Die Formen orientieren sich damit am Japanischen, in dem auf die Flexion von Substantiven verzichtet wird. Da es keine verbindliche orthographische Regelung zur Schreibung von Komposita mit den Be­griffen ›Comic‹, ›Manga‹ und ›Anime‹[28] gibt, werden diese in der Arbeit sämtlich mit Binde­strich geschrieben.

Die Schreibweise aller anderen japanischen Begriffe folgt dem revidierten Hepburn-Sys­tem[29] (mit Ausnahme von Namen, Orts- und Titelangaben) kursiv gesetzt und grund­sätzlich klein geschrieben. Bei eingedeutschten Begriffen (z. B. Manga, Anime) wird die Großschreibung beibehalten, außer das japanische Wort wird in seiner ursprünglichen Bedeutung gebraucht, welche sich wesentlich von der deutschen unterscheidet. In diesem Fall wird der Begriff kursiv gesetzt. Japanische Namen werden in der deutschen Reihen­folge (Vorname – Familienname) wiedergegeben. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird grundsätzlich auf die deutschsprachige, übersetzte Fassung japanischer Manga-Titel verwie­sen und mit deutschsprachigen Übersetzungen gearbeitet.


[1]     Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, werden in Rahmen dieser Arbeit Doppelungen wie ›Zeichnerinnen und Zeichner‹ zugunsten des generischen Begriffs ›Zeichner‹ aufgegeben.

[2]     Vgl. Dolle-Weinkauff, Bernd: Manga und ihr Einfluss auf junge Leser in Deutschland. In: Quo vadis Kinderbuch? Gegenwart und Zukunft der Literatur für junge Leser (Buchwissenschaftliche Forschungen der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft. Band 10). Hrsg. v. Haug, Christine / Vogel, Anke. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2011. S. 122.

[3]     Vgl. Törne, Lars von: Import schlägt Export: Der Comic-Markt in Deutschland [März 2012]. In: Goethe-Institut. Comic-Portal. Comicwelt. Comicszene. URL: http://www.goethe.de/kue/lit/prj/com/ccs/csz/de8922685.htm [Zugriffsdatum: 05.10.2012]

[4]     Dieser Mittelwert beruht auf Angaben der drei marktbeherrschenden deutschen Manga-Verlage CARLSEN, TOKYOPOP und EGMONT. Die Daten wurden persönlich bei den Verlagen angefragt.

[5]     Vgl. JManga.com Extends Access Worldwide [28. Februar 2012]. In: Anime News Network: The Internet’s most trusted Anime News Source. URL: http://www.animenewsnetwork.com/press-release/2012-02-28/jmanga.com-extends-access-worldwide [Zugriffsdatum: 24.09.2012]

[6]     Vgl. Aus Anime Virtual S.A. wird VIZ Media Switzerland SA [08. August 2011]. In: Kazé Online. News. Archiv. 2011. URL: http://www.kaze-online.de/news/artikel/aus-anime-virtual-sa-wird-viz-media-switzerland-sa/ (Stand: 24.09.2012)

[7]     Vgl. Hauck, Stefan: Graphic Novel als Türöffner. In: Börsenblatt. Wochenmagazin für den deutschen Buchhandel Nr. 34 vom 23. August 2012. S. 16f..

[8]     Denn auch die koreanische (Manhwa) und chinesische Adaption (Manhua) des japanischen Comics ist auf dem deutschen Markt nur wenig erfolgreicher als deutsche Manga-Eigenproduktionen.

[9]     Vgl. Bernd Dolle-Weinkauff: Fandom, Fanart, Fanzine – Rezeption in Deutschland. In: Ga-netchu! Das Manga Anime Syndrom. Hrsg. v. Deutsches Filminstitut – DIF e. V. / Deutsches Filmmuseum Frankfurt a. M. / Museum für Angewandte Kunst Frankfurt a. M.. Berlin: Henschel Verlag 2008. S. 214–223.

[10]   Vgl. Dolle-Weinkauff, Bernd: Comics und kulturelle Globalisierung. Manga als transkulturelles Phänomen und die Legende vom »östlichen Erzählen in Bildern«. In: Struktur und Geschichte der Comics. Beiträge zur Comicforschung. Hrsg. v. Grünewald, Dietrich. Bochum [u. a.]: Christian A. Bachmann Verlag 2010. S. 85–97.

[11]   Vgl. Nielsen, Jens R.: Manga – Comics aus einer anderen Welt? In: Comics. Zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums. Bielefeld: Transcript Verlag 2009. S. 335–357.

[12]   Vgl. Malone, Paul M.: Mangascape Germany: Comics as Intercultural Neutral Ground. In: Comics as a Nexus of Cultures. Essays on the Interplay of Media, Disciplines and International Perspectives. Hrsg. v. Berninger, Mark / Ecke, Jochen [u. a.]. Jefferson, N.C.: McFarland & Co. 2010. S. 223–234.

[13]   Vgl. Malone, Paul M.: Shifting Ground and Shifting Borders in the German-Speaking Mangascape. In: Kobuk. Zeitschrift für Literatur und Wissenschaft. Nr. 4 / 2011: Manga im deutschsprachigen Raum. S. 55–85. URL: http://www.kobuk.org/archiv/KOBUK_No4_Manga_%281_2011%29.pdf [Zugriffsdatum: 20.07.2012]

[14]   Vgl. Malone, Paul M.: From BRAVO to Animexx.de to Export. Capitalizing on German Boys‘ Love Fandom, Culturally, Socially and Economically. In: Boys’ Love Manga. Essays on the Sexual Ambiguity and Cross-Cultural Fandom of the Genre. Hrsg. v. Levi, Antonia / McHarry, Mark [u. a.]. Jefferson, N.C.: McFarland & Co. 2010. S. 23–43.

[15]   Vgl. Minks, Patricia: Mangamarkt – Ein Vergleich zwischen Japan und dem deutschsprachigen Raum. In: Kobuk. Zeitschrift für Literatur und Wissenschaft. Nr. 4 / 2011: Manga im deutschsprachigen Raum. S. 6–54. URL: http://www.kobuk.org/archiv/KOBUK_No4_Manga_%281_2011%29.pdf [Zugriffsdatum: 20.07.2012]

[16]   Vgl. Mertens, Eva: Mehr als ›nur‹ die Fans: Community, Conventions, Wettbewerbe und Internetplattformen [Die Manga- und Animeszene stellt sich vor. Band 1]. UND: Mehr als ›nur‹ Manga und Anime: Geschichte, Verlage, Künstler und Fernsehsender [Die Manga- und Animeszene stellt sich vor. Band 2]. Hamburg: Diplomica Verlag 2012.

[17]   Vgl. Brunner, Miriam: Manga [UTB Profile / UTB 3330]. Paderborn: Wilhem Fink Verlag 2010.

[18]   Vgl. Knigge, Andreas C.: Fortsetzung folgt. Comic Kultur in Deutschland. Frankfurt am Main [u.a.]: Verlag Ullstein 1986.

[19]   Vgl. Dole-Weinkauff, Bernd: Comics. Geschichte einer populären Literaturform in Deutschland seit
1945.
Basel [u. a.]: Beltz Verlag 1990.

[20]   Vgl. Treese, Lea: Go East! Zum Boom japanischer Mangas und Animes in Deutschland. Eine
Diskursanalyse.
Berlin: Lit Verlag 2006.

[21]   Vgl. Rudert, Sabine: Das Comic mit der Spezialisierung Manga in Deutschland im Vergleich mit den japanischen Vorbildern. Beispielobjekt: »Banzai!« – ein japanisches Presseobjekt in Deutschland. Diplomarbeit. Hochschule Mittweida (FH) / Fachbereich Medien 2004.

[22]   Vgl. Haverkemper, Petra: Manga in deutschen Bibliotheken. Hintergründe, Marktsituation, Perspektiven. Saarbrücken: VDM Verlag Dr.  Müller 2006.

[23]   Vgl. Brunner, Miriam: Manga – Die Faszination der Bilder. Darstellungsmittel und Motive. München: Wilhem Fink Verlag 2009.

[24]   Vgl. Dolle-Weinkauff, Bernd: Manga und ihr Einfluss auf junge Leser in Deutschland. In: Quo vadis Kinderbuch? Gegenwart und Zukunft der Literatur für junge Leser (Buchwissenschaftliche Forschungen der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft. Band 10). Hrsg. v. Haug, Christine / Vogel, Anke. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2011. S. 121–140.

[25]   Vgl. Herbers, Martin R.: Comicanalyse: Bilder, Wörter und Sequenzen. In: Die Entschlüsselung der Bilder. Methoden zur Erforschung visueller Kommunikation. Ein Handbuch. Hrsg. v. Petersen, Thomas / Schwender, Clemens. Köln: Herbert von Halem Verlag 2011. S. 72–86.

[26]   Vgl. Emrich, Christin: Interkulturelles Marketing-Management. Erfolgsstrategien, Konzepte, Analysen. Wiesbaden: Gabler 2009. S. 224–228.

[27]   Vgl. Manga. In: Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2006 [CD-ROM]

[28]   Anime, der; des -;die -: Als Anime werden in Deutschland original japanische Zeichentrickproduktionen bezeichnet. In Japan wird der Begriff hingegen ohne Einschränkung, d. h. auch unabhängig vom Produktionsland, für alle Arten von Zeichentrick- und Animationsfilmen gebraucht.

[29]   Vgl. Schamoni, Wolfgang: Regeln für die Umschrift des Japanischen in schriftlichen Arbeiten [25. Mai 2002]. In: Universität Heidelberg. Japanologisches Seminar. URL: http://www2.hu-berlin.de/japanologie/dokumente/studium/umschrift-jap.pdf [Zugriffsdatum: 21.09.2012]

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