Initialen #37

Judith Schumacher stellt mit ihrer Bachelorarbeit „Regenbogenfamilien im deutschprachigen Bilderbuch“ einen Überblick über Angebot und Rezeption dar.

Wir haben ihr einige Fragen zu ihrer Arbeit gestellt und wünschen euch viel Spaß beim Lesen.

Bewerbungsbild für Skype

Meine Name ist Judith Schumacher und ich bin 1993 in Kassel geboren. Nach dem Abitur habe ich zwei mehrmonatige Verlagspraktika in Göttingen (Steidl Verlag) und Berlin (Dietrich Reimer Verlag) absolviert. In meinem Berufswunsch bestärkt habe ich mich daraufhin für den Studiengang Buchwissenschaft mit dem Beifach Germanistik in Mainz entschieden.
Während des Studiums war ich ein Semester im Ausland (Book and Digital Media Studies in Leiden, Niederlande) und habe als studentische Hilfskraft einige Jahre die InDesign-Kurse am Institut geleitet.

Was ist der Schwerpunkt deiner Arbeit? Wo liegt dein Forschungsinteresse?

In meiner Arbeit untersuche ich das deutschsprachige Angebot von Bilderbüchern, in denen Regenbogenfamilien vorkommen, also Familien, in denen ein oder mehrere Elternteile in das LSBTI*-Spektrum fallen. In den meisten Fällen sind es Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern.
Mein Forschungsinteresse war eine Bestandsaufnahme: Wie viele Bilderbücher sind zu finden und seit wann gibt es sie? Wie ist das Verhältnis von Selbst- oder Kleinstverlagen zu den größeren, bekannten Verlagshäusern? Lässt sich erkennen, ob die Anzahl der Bücher mit Regenbogenfamilien zunimmt? Wie sprechen Autoren und Verleger, aber auch beispielsweise Rezensenten über die Titel? Und, besonders wichtig: Wie werden in den aufgefundenen Bilderbüchern die von der Norm abweichenden Charaktere dargestellt – eher stereotypisch, eher mehrdimensional, oder ganz vorbildlich?

Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Das Thema ist für mich von persönlichem Interesse – es war mir wichtig, für die Bachelorarbeit eine Fragestellung zu wählen, deren Antwort ich auch unabhängig von Noten und Credit Points wirklich wissen wollte.
Außerdem war eine Tagung zur Kinder- und Jugendbuchforschung, an der ich im Sommer 2016 teilgenommen habe, Anstoß für das konkrete Thema („Schöne Schwäne, wilde Kerle“ – ausgerichtet von der evangelischen Akademie Tutzing in Kooperation u.a. mit dem Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität Frankfurt/Main und der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung an der Universität zu Köln). Anika Ullmann leitete dabei eine Arbeitsgruppe zum Thema „Familiensache – Queerness im Bilderbuch“.

Was ist dir wichtig an deinem Thema herauszustreichen?

Mich hat das allgemeine Interesse an meinem Forschungsthema sehr gefreut.
Eine Frage wurde mir immer wieder gestellt, wenn ich erzählt habe, worüber ich schreibe: Ob es solche Bilderbücher denn überhaupt gäbe? Ja, ich habe einige Titel gefunden – für den schnellen Überblick findet sich in der Arbeit sowohl eine Statistik der Bilderbücher nach Zeitpunkt der Veröffentlichung als auch im Anhang eine Auflistung der zum Zeitpunkt des Schreibens verfügbaren Titel. Aber wie von den Fragenden vermutet, sind zumindest im deutschsprachigen Bilderbuch (einen kleinen internationalen Vergleich habe ich eingearbeitet) Regenbogenfamilien noch nicht selbstverständlich. Viele der von mir gefundenen Bilderbücher werden wohl nur in Familien gelesen, in denen jemand aktiv nach ihnen sucht, und es existiert beispielsweise kein einziges Pappbilderbuch.

Herausstreichen möchte ich außerdem, dass meine Bachelorarbeit auch ohne buchwissenschaftlichen Hintergrund gut zu verstehen ist. Ich hoffe, dass sie auf interessierte Leser trifft, und kann mir gut vorstellen, dass diese auch außerhalb des „Forschungskosmos“ zu finden sind!

Gibt es Momente während des Schreibens, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind ?

Toll war die Unterstützung von Verlagen, die mir Bücher und später Abdruckrechte für die Buchcover zur Verfügung gestellt haben, und des Netzwerks QueerNet Rheinland-Pfalz e.V., das auch das Projekt des Kita-Koffers „Familien- und Lebensvielfalt“ betreut und mir einen dieser Koffer für meine Forschung auslieh. Für beides möchte ich mich hier noch einmal bedanken! Natürlich gab es auch anstrengende Phasen oder Momente, gerade gegen Ende der Bearbeitungszeit.

Was hast du für weitere Pläne?

Ich habe mich schon relativ bald im Bachelor dafür entschieden eher keinen Master anzuschließen. Am wohlsten fühle ich mich in der Bücher produzierenden Praxis, sowohl auf der Ebene der Herstellung und Gestaltung als auch Inhaltlich, im Bereich Redaktion bzw. Lektorat. Hier interessiert mich besonders das Kinder- und Jugendbuch. Im Herbst/Winter 2017 war ich deswegen Praktikantin in der Redaktion des Magellan Verlags, einem 2013 neu gegründeten Kinder- und Jugendbuchverlag mit Sitz in Bamberg. Anfang Februar 2018 beginne ich ein Volontariat in der Redaktion des Loewe Verlags. Außerdem nehme ich seit Herbst 2017 am zweijährigen STUBE-Fernkurs für Kinder- und Jugendliteratur teil.

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