Initialen #38

Mit ihrer Thesis „Das Buch als Heterotopie – Betrachtungen zur sozialen Dimension des Leseprozesses“ ist Denise Schneider als Initialen 38 die letzte Autorin in diesem Wintersemester.

Im Interview beantwortet sie Fragen zu ihrer Person und ihrer Arbeit:

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Mein Name ist Denise Schneider. 2010 habe ich mit dem Bachelor-Studium der Buchwissenschaft (Kernfach) und der Germanistik (Beifach) begonnen. 2014–2017 folgte das Master-Studium Buchwissenschaft. Seit Juni 2017 bin ich Volontärin im Projektmanagement bei Springer Gabler. Schon während des Studiums konnte ich erste Erfahrungen in der Buchbranche sammeln, zunächst zweieinhalb Jahre als studentische Aushilfe in einer Buchhandlung, anschließend für ein Jahr als Volontärin im Lektorat eines jungen Belletristik-Verlags. Arbeite ich nicht, dann lese ich (Überraschung!) und begeistere mich für Videospiele und Musik. Gelegentlich treffe ich mich sogar mit Menschen.

Wo liegt der Schwerpunkt und Forschungsinteresse deiner Arbeit?

Die Schwerpunkte meiner Arbeit liegen auf der Bestimmung eines Buchbegriffs und darauf aufbauend auf der räumlichen und sozialen Erlebnisdimension der Buchlektüre. Ich hatte bei der Konzeption und beim Schreiben der Arbeit vor allem ein Interesse daran, interdisziplinär zu arbeiten und dadurch Defizite der Buchbetrachtung seitens der Medienwissenschaft anzugehen. Hier behandelt man das Buch stiefmütterlich, wenn es denn überhaupt thematisiert wird. Darstellen wollte ich auch die immense Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns in Bezug auf Mediennutzung. Hier war es mir ein Anliegen neurologische, biologische und psychologische Perspektiven zusammenzuführen.

Wie bist du auf dein Thema gekommen?

Auf Umwegen. Ich habe zunächst Elisabeth Wehlings Band „Politisches Framing“ gelesen und anschließend Nadja Zabouras Abhandlung „Das empathische Gehirn“. Foucaults Text über Heterotopien hat mich seit einem Germanistik-Seminar über mehrere Hausarbeiten hinweg beschäftigt. Schließlich bin ich auf einen der zahlreichen Blogbeiträge gestoßen, in dem die Durchsetzung des E-Books bejubelt und das Verschwinden des gedruckten Buchs angekündigt wurde. Die Gegenargumente der Buchliebhaber wirkten mir vielfach zu schwach angesichts der geballten „Nützlichkeit“ des E-Books, in der ich seinen wesentlichen Vorzug sehe. Hier kam mir der Gedanke, dass die Perspektive auf das gedruckte Buch mithilfe von Wehling, Zaboura und Co. deutlich erweitert werden könnte.

Was möchtest du an deinem Thema herausstreichen?

Das Buch ist ganz klar kein Medium zweiter Klasse, wie es im Zusammenhang mit AV-Medien und hinsichtlich der Vermittlungsleistung oft suggeriert wird. Insbesondere die virtuelle Realität ist kein Phänomen, das erst mit audiovisuellen Medien aufgetreten ist. Buch und Leser – und davor Erzähler und Zuhörer – konnten schon lange zuvor veritables Andersweltempfinden erzeugen. Wichtig ist auch, dass das Eintauchen in die Medienwelt kein artifizielles geistiges Produkt der Mediennutzung ist, das den Rezipienten durch Eskapismus o. Ä. am Leben hindert. Vielmehr basiert räumliches und soziales Empfinden in der Medienwelt auf körperlichen und geistigen Prozessen, die auch im Alltag stattfinden, wodurch es im Grunde nicht weniger natürlich ist als eine gewöhnliche Gesprächssituation. Diese Perspektive hilft, von negativ wertenden Urteilen über die Mediennutzung abzurücken und sich den Beweggründen von Lesern und der geistigen und sozialen Wirkung von Lektüre unbefangen zu nähern.

Gab es Momente im Schreibprozess, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Der fortlaufende Selbstbetrug: „Das war jetzt das Schwierigste. Das nächste Kapitel schreibt sich viel leichter!“  Daneben aber auch das Gefühl, zunehmend besser mit schwieriger Materie zurechtzukommen und der Eindruck, sich über der Recherche und dem Schreiben tatsächlich weiterzuentwickeln. Außerdem war es schön, die geforderte Daten-CD diesmal nicht auf dem Weg zur Abgabe an der Bushaltestelle einkleben zu müssen.

Was hast du für weitere Pläne?

Zuerst einmal möchte ich mein Volontariat bei Springer Gabler gut abschließen. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Klar ist mir derzeit nur, dass ich bei der Lektoratsarbeit im Verlag bleiben möchte, bevorzugt im Fach- und Sachbuchbereich.

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Initialen #37

Judith Schumacher stellt mit ihrer Bachelorarbeit „Regenbogenfamilien im deutschprachigen Bilderbuch“ einen Überblick über Angebot und Rezeption dar.

Wir haben ihr einige Fragen zu ihrer Arbeit gestellt und wünschen euch viel Spaß beim Lesen.

Bewerbungsbild für Skype

Meine Name ist Judith Schumacher und ich bin 1993 in Kassel geboren. Nach dem Abitur habe ich zwei mehrmonatige Verlagspraktika in Göttingen (Steidl Verlag) und Berlin (Dietrich Reimer Verlag) absolviert. In meinem Berufswunsch bestärkt habe ich mich daraufhin für den Studiengang Buchwissenschaft mit dem Beifach Germanistik in Mainz entschieden.
Während des Studiums war ich ein Semester im Ausland (Book and Digital Media Studies in Leiden, Niederlande) und habe als studentische Hilfskraft einige Jahre die InDesign-Kurse am Institut geleitet.

Was ist der Schwerpunkt deiner Arbeit? Wo liegt dein Forschungsinteresse?

In meiner Arbeit untersuche ich das deutschsprachige Angebot von Bilderbüchern, in denen Regenbogenfamilien vorkommen, also Familien, in denen ein oder mehrere Elternteile in das LSBTI*-Spektrum fallen. In den meisten Fällen sind es Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern.
Mein Forschungsinteresse war eine Bestandsaufnahme: Wie viele Bilderbücher sind zu finden und seit wann gibt es sie? Wie ist das Verhältnis von Selbst- oder Kleinstverlagen zu den größeren, bekannten Verlagshäusern? Lässt sich erkennen, ob die Anzahl der Bücher mit Regenbogenfamilien zunimmt? Wie sprechen Autoren und Verleger, aber auch beispielsweise Rezensenten über die Titel? Und, besonders wichtig: Wie werden in den aufgefundenen Bilderbüchern die von der Norm abweichenden Charaktere dargestellt – eher stereotypisch, eher mehrdimensional, oder ganz vorbildlich?

Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Das Thema ist für mich von persönlichem Interesse – es war mir wichtig, für die Bachelorarbeit eine Fragestellung zu wählen, deren Antwort ich auch unabhängig von Noten und Credit Points wirklich wissen wollte.
Außerdem war eine Tagung zur Kinder- und Jugendbuchforschung, an der ich im Sommer 2016 teilgenommen habe, Anstoß für das konkrete Thema („Schöne Schwäne, wilde Kerle“ – ausgerichtet von der evangelischen Akademie Tutzing in Kooperation u.a. mit dem Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität Frankfurt/Main und der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung an der Universität zu Köln). Anika Ullmann leitete dabei eine Arbeitsgruppe zum Thema „Familiensache – Queerness im Bilderbuch“.

Was ist dir wichtig an deinem Thema herauszustreichen?

Mich hat das allgemeine Interesse an meinem Forschungsthema sehr gefreut.
Eine Frage wurde mir immer wieder gestellt, wenn ich erzählt habe, worüber ich schreibe: Ob es solche Bilderbücher denn überhaupt gäbe? Ja, ich habe einige Titel gefunden – für den schnellen Überblick findet sich in der Arbeit sowohl eine Statistik der Bilderbücher nach Zeitpunkt der Veröffentlichung als auch im Anhang eine Auflistung der zum Zeitpunkt des Schreibens verfügbaren Titel. Aber wie von den Fragenden vermutet, sind zumindest im deutschsprachigen Bilderbuch (einen kleinen internationalen Vergleich habe ich eingearbeitet) Regenbogenfamilien noch nicht selbstverständlich. Viele der von mir gefundenen Bilderbücher werden wohl nur in Familien gelesen, in denen jemand aktiv nach ihnen sucht, und es existiert beispielsweise kein einziges Pappbilderbuch.

Herausstreichen möchte ich außerdem, dass meine Bachelorarbeit auch ohne buchwissenschaftlichen Hintergrund gut zu verstehen ist. Ich hoffe, dass sie auf interessierte Leser trifft, und kann mir gut vorstellen, dass diese auch außerhalb des „Forschungskosmos“ zu finden sind!

Gibt es Momente während des Schreibens, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind ?

Toll war die Unterstützung von Verlagen, die mir Bücher und später Abdruckrechte für die Buchcover zur Verfügung gestellt haben, und des Netzwerks QueerNet Rheinland-Pfalz e.V., das auch das Projekt des Kita-Koffers „Familien- und Lebensvielfalt“ betreut und mir einen dieser Koffer für meine Forschung auslieh. Für beides möchte ich mich hier noch einmal bedanken! Natürlich gab es auch anstrengende Phasen oder Momente, gerade gegen Ende der Bearbeitungszeit.

Was hast du für weitere Pläne?

Ich habe mich schon relativ bald im Bachelor dafür entschieden eher keinen Master anzuschließen. Am wohlsten fühle ich mich in der Bücher produzierenden Praxis, sowohl auf der Ebene der Herstellung und Gestaltung als auch Inhaltlich, im Bereich Redaktion bzw. Lektorat. Hier interessiert mich besonders das Kinder- und Jugendbuch. Im Herbst/Winter 2017 war ich deswegen Praktikantin in der Redaktion des Magellan Verlags, einem 2013 neu gegründeten Kinder- und Jugendbuchverlag mit Sitz in Bamberg. Anfang Februar 2018 beginne ich ein Volontariat in der Redaktion des Loewe Verlags. Außerdem nehme ich seit Herbst 2017 am zweijährigen STUBE-Fernkurs für Kinder- und Jugendliteratur teil.

Initialen #36

Kris Lehmann beschäftigt sich in seiner Masterarbeit „Modelle der Programmbildung – Ansätze zur Organisationstheorie des Verlags“ damit, welche Faktoren die Programmentwicklung im Verlag beeinflussen und steuern.

Hier erfahrt ihr mehr über ihn und die Initialen Nummer 36:

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Mein Name ist Kris Lehmann. Ich habe Buchwissenschaft, Philosophie, Germanistik und Geschichte in Karlsruhe und Mainz studiert und mein Studium kürzlich mit dem Master of Arts abgeschlossen. Schon während des Studiums habe ich eine Aushilfstätigkeit bei Springer VS in Wiesbaden begonnen, wo ich auch nach wie vor arbeite und Aufgaben im Projektmanagement und Copy-Edit wahrnehme.

Wo liegt der Schwerpunkt und das Forschungsinteresse deiner Arbeit?

Zunächst spielt natürlich der Begriff Programm – und wie diesem als Sinndispositiv in Bezug auf Verlage bestimmte Eigenschaften zukommen – die exponierteste inhaltliche Rolle in meiner Arbeit. Es erschien mir dabei sehr interessant, einen häufig in der Buchwissenschaft verwendeten Begriff, der nur unzureichend definiert scheint, mit einem neuen Methodenset anzugehen, um die gängigen Annahmen des Faches einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das ergab sich auch im Austausch mit dem zweiten Schwerpunkt des Textes: der soziologischen Systemtheorie, die ich als spezifisches theoretisches Fundament für die Analyse kommunikativer Vorgänge, in einer durch eben diese Kommunikation konstituierten Organisation genutzt habe.

Wie bist du auf dein Thema gekommen?

Nachdem ich meine Bachelorarbeit bei Dr. David Oels geschrieben hatte – über zwei der bestehenden Versuche verschiedene systemtheoretische Konzepte in die Buchwissenschaft zu integrieren – habe ich mich weiter mit den Möglichkeiten beschäftigt, die derartige Theoriegebäude der Buchwissenschaft bieten. Insbesondere das autopoietische und differenztheoretische Konzept sozialer Systeme Niklas Luhmanns hat mich angesprochen, welches ich dann auch gerne für meine Masterarbeit in einer buchwissenschaftlichen Anwendung behandeln wollte. Zusammen mit Prof. Dr. Christoph Bläsi konnten einige Themenfelder identifiziert werden, in denen eine Anwendung der Systemtheorie sinnvoll erschien. Eine organisationstheoretische Untersuchung eines einzelnen Aspektes des Verlags bot sich für eine handhabbare Eingrenzung des Themas an.

Was möchtest du an deinem Thema herausstreichen?

Dass mein Ansatz nicht die Systemtheorie als Großtheorie im alten Stil disruptiv einsetzt, um wie auch immer geartete, neue Erkenntnisse zu erzeugen, sondern lediglich eine Reflektion oder Reperspektivierung zumeist üblicher – und im Fach zum größten Teil geläufiger – Konzepte mit anderen Mitteln ist. Das Verlagsprogramm stellte sich dabei als wesentlich vielfältiger und dadurch auch als komplexer heraus, als es eine Definition im Sinne eines Veröffentlichungskatalogs oder Ähnliches vermuten ließe. Es hat zum Beispiel einen entscheidenden Anteil an der Bildung einer Verlagsidentität – sowohl in der Beobachtung des Verlags von außen, als auch für die Verlagsmitglieder selber. Man findet diesen Aspekte der Identifikation des Verlagsprogramms in der Buchwissenschaft oft wiederholt, jedoch ohne dass eine eingehendere Erklärung der Gründe angeboten wird. Ein Ziel meiner Masterarbeit war es, eine solche detailliertere Ergründung mittels eines theoretischen Überbaus exemplarisch darzulegen.

Gab es einen Moment im Schreibprozess, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Tatsächlich sind mir nur wenige bestimmte Momente von der eigentlichen Niederschrift der Arbeit im Gedächtnis geblieben und dafür vermehrt die vorausgehende Zeit, in der ich mich oft selbst davon überzeugen musste, dass mein Arbeitskonzept in einen brauchbaren Text münden würde. Sobald ich mich auf das eigentliche Schreiben konzentrieren konnte, blieb wenig Gelegenheit zur beobachtenden Introspektive und die Beschäftigung mit den Inhalten hat die meisten Zweifel nach und nach überlagert. Glücklicherweise habe ich viel Aufmunterung aus meiner Umgebung erfahren, was mir eine große Hilfe war, meinen anfänglichen Pessimismus gegenüber dem Anfertigen einer Abschlussarbeit zu überwinden.

Was hast du für weitere Pläne?

Ich befinde mich in der Vorbereitung für ein Promotionsprojekt, das ich in absehbarer Zeit anzumelden hoffe. Mein dazu angedachtes Thema hat sich als eine Weiterentwicklung aus meiner Masterarbeit ergeben und soll sich, wenn möglich, nicht nur auf theoretische Überlegungen, sondern auch auf empirisches Material stützen.

Initialen #35

Mit ihrer Masterarbeit „Slow Reading – Der neue Lesetrend“ stellt Josefine Johanna Mohrhard geb. Krumpschmid die Initialen Nummer 35 und setzt damit die Reihe an herausragenden Abschlussarbeiten fort.

Hier stellen wir sie und ihre Arbeit vor.

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  • Josefine Johanna Mohrhard (geb. Krumpschmid)
  • *13.07.1989 (in Groß-Umstadt), 28 Jahre alt
  • BA in Buchwissenschaften und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, 2013 (Bachelorarbeitstitel: „In the ideal form of transmedia storytelling, each medium does what it does best“ – Transmedia Storytelling und das Medium Buch)
  • MA in Buchwissenschaften
  • Ich arbeite seit August 2016 als Projektmanagerin bei der Stiftung Lesen im Programmbereiche Jugend und Schule, davor war ich ca. 2 Jahre lang Aushilfe bei der Stiftung Lesen.
  • Ich wohne in Groß-Umstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg)
  • Ich interessiere mich für Literatur und Musik, ausgedehnte Waldspaziergänge und für nachhaltige und alternative Lebensweisen. Ich beobachte gerne neue Lesetrends, neue Medienformate, die Entwicklung der digitalen Medien und die Veränderung im Konsumverhalten.

Wo liegt der Schwerpunkt und das Forschungsinteresse deiner Arbeit? 

Meine Arbeit beschäftigt sich mit dem neuen Lesetrend „Slow Reading“. Der Schwerpunkt liegt auf der Heranführung an das bisher fast unbearbeitete Thema und ich wollte mit dieser Thesis aufzeigen, von was sich „Slow Reading“ ableitet, warum es gerade jetzt diesen Lesetrend gibt und woher das Bedürfnis nach Entschleunigung in allen Lebensbereichen rührt. Ich habe die unterschiedlichen Wurzeln dieses Trends herausgearbeitet, untersucht und in Verbindung zueinander gesetzt und konnte damit die Vielschichtigkeit dieser neuen Leseart die zusätzlich auf einem Lebenstrend basiert, herausarbeiten.

Meine Arbeit soll den Grundstock für weitere buchwissenschaftliche Untersuchungen legen, die u. a. die Möglichkeiten von „Slow Reading“ für den Buchmarkt, dessen Dauerhaftigkeit oder auch die Auswirkungen der digitalen Medien untersuchen.

Wie bist du auf dein Thema gekommen?

Ich hatte den Wunsch ein aktuelles Thema in meiner Masterarbeit zu bearbeiten und wollte auch gerne mein Interesse an Literatur und aktuellen Trends einbringen können. Meine Professorin Frau Schneider erzählte mir daraufhin von „Slow Reading“ und ermutigte mich, mich diesem aktuellen Thema anzunehmen. Eine erste Recherche und ein Einlesen in die Thematik genügte, um Begeisterung hervorzurufen.

Was möchtest du an deinem Thema herausstreichen?

Die Modernisierung und der industrielle Fortschritt setzten eine Beschleunigung in Gang, die nicht zu leugnen, noch weniger aufzuhalten ist. Bis heute spüren und erleben wir diese Veränderungen und die vergangenen Jahrzehnte fühlen sich nicht nur ganz subjektiv für die betroffenen Generationen an, als würde die allgemeine Geschwindigkeit in allen Lebensbereichen zunehmen. Auch objektiv betrachtet wächst das Lebenstempo nach wie vor und sorgt für ganz unterschiedliche Proteste, Befürwortungen, Herausforderungen und Probleme. Seit Beginn dieser Entwicklungen bilden sich als Reaktionen Entschleunigungsdiskurse mit unterschiedlichen Ansätzen und Zielvorstellungen. Es ist mehr als interessant zu untersuchen, wie sehr sich diese Ansätze und Ziele ähneln, obwohl sie sich auf ganz unterschiedliche Bereiche des Lebens beziehen. Das momentane Slow Movement hat unglaublich viele Ansätze, deckt damit zahlreiche Lebensbereiche ab und bedient die unterschiedlichsten Zielgruppen. „Slow Reading“ ist ein ganz besonderer Trend, der sich u. a. mit den sozialen und ideologischen Komponenten des Lesens beschäftigt und in eine Zeit des medialen Umbruchs fällt. Dadurch wird der Diskurs noch komplexer und interessanter.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit „Slow Reading“ erfordert und ermöglicht u. a. sozialanalytische, literaturwissenschaftliche, soziologische, buchwissenschaftliche, medienwissenschaftliche, historische und aktuelle Fragestellungen und ist deswegen nicht nur sehr spannend und vielseitig, sondern auch von großem aktuellen und sicherlich auch zukünftigen Interesse.

Gab es Momente im Schreibprozess, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ich kann mich noch gut an die anfängliche Zeit des Schreibens erinnern, in der ich versuchte mit einem einfachen Thema einzusteigen, viele Seiten zu schreiben und somit meinen Rhythmus und Ton der Arbeit zu finden. Viele Aspekte dieser hinleitenden Seiten wurden später verändert, gekürzt, angepasst und umgeschrieben, aber sie halfen mir bei der Einarbeitung. Die sich anschließende Zeit war sehr viel anstrengender (das Überarbeiten und der Hauptteil der Arbeit). Trotzdem ist sie mir besonders positiv in Erinnerung geblieben. Als ich mich thematisch immer mehr dem Hauptteil meiner Arbeit näherte (und endlich die richtige Musik und Atmosphäre zum Schreiben fand – ein sehr verregneter und düsterer April) und sich mir Aspekte und neue Gedankenstränge auftaten, fand ich täglich größeren Gefallen an meinem Thema und am Schreiben und ich entwickelte eine große Leidenschaft für meine Erkenntnisse. Die Arbeit entwickelte eine eigene Dynamik und es erfolgten Strukturänderungen und neue Aspekte, die ich zu Beginn gar nicht vorgesehen hatte, die Thesis aber zu einer lebendigen Forschungsarbeit machten.

Was hast du für weitere Pläne?

Ich arbeite momentan bei der Stiftung Lesen und betreue ein umfangreiches bundesweites Projekt („Leseclubs“), bei dem ich mit ganz unterschiedlichen Aspekten der Buch- und Medienbranche zu tun habe und an dem ich auch in den kommenden Jahren federführend mitwirken möchte.

Ich würde außerdem gerne irgendwann in andere Länder umziehen und den internationalen Buchmarkt besser kennenlernen, in verschiedenen Institutionen mitwirken und so an ganz unterschiedlichen Aspekten des Buches und auch an dessen Veränderungen teilhaben. Anschließend möchten ich einen Bauernhof kaufen und diesen mit viel Leben füllen: mit mindestens vier Kindern, vielen Schafe, Kühen, Schweinen, Ponys und Hühnern. Und natürlich werde ich nicht müde davon zu träumen, mir dort ein Schreibzimmer einzurichten, indem ich endlich selbst ein paar Gedanken festhalten kann, die ich auf all den Reisen sammeln konnte.

Unsere Neuzugänge

Im Verlagslabor wird schon seit Wochen fleißig auf die Veröffentlichung der neuen Initialen hingearbeitet. Aber was sind die neuen Abschlussarbeiten und wer hat sie geschrieben? Wir kennen die Antwort schon länger, aber jetzt seid ihr dran unsere neuen AutorInnen kennenzulernen!

Wir haben ihnen mal auf den Zahn gefühlt und Fragen über ihre Person, Arbeit und den Schreibprozess gestellt. In den nächsten Blogbeiträgen stellen wir sie euch vor. Also bleibt dran, um mehr zu erfahren!